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Zuhause einrichten

Lernturm: Das Kind an der Arbeitsplatte, nicht darunter

Ihr Kind will nicht zusehen, wie Sie kochen. Es will dasselbe tun und kommt nur nicht an die Arbeitsplatte heran. Ab wann ein Lernturm passt, worauf Sie bei der Auswahl achten und was Kinder darin in der Küche tun können.

Faborino Editorial19. Oktober 20266 Min. Lesezeit

Das erste Adventswochenende. Auf der Arbeitsplatte liegt ausgerollter Plätzchenteig, der Ofen heizt vor, und am Knie steht ein zweijähriges Kind, zieht am Hosenbein und wiederholt ein einziges Wort: selber. Aus seiner Höhe ist die Arbeitsplatte nur eine Kante über dem Kopf. Es sieht die Unterseite der Platte, die Griffe der Schubladen und unsere Ellbogen. Was oben passiert, kann es nur am Duft erahnen.

Also holen wir einen Stuhl aus dem Esszimmer. Das Kind klettert hinauf, kniet sich hin, steht dann auf, der Stuhl rutscht ein paar Zentimeter, und wir haben eine Hand im Teig und die andere an seinem Rücken. Nach fünf Minuten geben wir auf und legen ihm ein Stück Teig auf den Boden. Nicht weil es nicht helfen wollte. Sondern weil es in der ganzen Küche keinen Platz gibt, von dem aus es helfen könnte.

Die Küche ist für Erwachsene gebaut

Küchenhersteller nennen als gebräuchlichste Höhe der Arbeitsplatte etwa 92 Zentimeter. Zweijährige Kinder sind laut den Wachstumsstandards der Weltgesundheitsorganisation meist etwa 86 bis 88 Zentimeter groß. Die Kante der Arbeitsplatte liegt für sie also über Augenhöhe, und alles, was in der Küche geschieht, passiert außerhalb ihres Blickfelds.

Ein Lernturm schließt genau diese Lücke. Er ist eine stabile Plattform mit Geländer rundherum, die das Kind an die Arbeitsplatte hebt, sodass es auf Höhe unserer Hände steht und sich festhalten kann. Er ist weder Spielzeug noch Klettergerüst, sondern ein Möbelstück, das die Küche auch zu seinem Ort macht.

Maria Montessori nannte einen solchen Ort vorbereitete Umgebung: einen Raum, der so eingerichtet ist, dass das Kind Dinge selbst tun kann und der Erwachsene es nicht ständig hochheben, festhalten und bedienen muss. In der Küche ist der kleinste Eingriff, der das ermöglicht, die Höhe. Dasselbe Prinzip im Flur beschreiben wir im Artikel Die Morgen nach dem Schulstart werden nicht um 7:40 Uhr gewonnen.

„Unnötige Hilfe ist ein echtes Hindernis für die Entfaltung der natürlichen Kräfte.“
Maria Montessori, The Montessori Method (1912)

Ab wann: wenn es sicher allein steht, nicht mit dem ersten Geburtstag

Hersteller geben für Lerntürme meist ein Alter ab einem Jahr an. Wichtiger als das Geburtsdatum ist aber ein sichtbarer Meilenstein: Das Kind muss allein, sicher und ohne Festhalten stehen. Sämann schreibt das beim Lernturm Steppy ausdrücklich: ab etwa zwölf Monaten, wenn das Kind selbstständig steht. Solange es sich noch an den Möbeln entlanghangelt und auf den Po plumpst, kann der Turm warten.

Aus der Faborino-Kollektion

Mitwachsende Lerntürme haben eine Plattform, die ein Erwachsener in mehrere Höhen umsetzt. Bei diesem Modell von eliNeli sind es laut Hersteller drei Stufen: 30, 40 und 50 Zentimeter über dem Boden. Ein kleineres Kind steht höher, ein größeres tiefer, und die Arbeitsplatte bleibt im Verhältnis zu seinen Händen auf derselben Höhe. Der Hersteller gibt ihn für ein bis etwa sechs Jahre an.

Wann der Turm ausgedient hat, merken Sie ohne Kalender. Das Kind muss sich auch auf der niedrigsten Stufe bücken, um an die Platte zu kommen, und steigt eher aus Gewohnheit hinein als aus Notwendigkeit. Dann hat der Turm seine Aufgabe erfüllt und kann zum jüngeren Geschwisterkind wandern.

Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten

Auf Fotos sehen die meisten Lerntürme ähnlich aus. Die Unterschiede zeigen sich erst, wenn ein Kind darin steht, sich nach einer Stimme umdreht und nach einer Schüssel greift, die ein Stück zu weit weg steht. Bei der Auswahl hilft ein Blick auf fünf Punkte, und bei jedem lohnt es sich nachzulesen, was der Hersteller auf der Produktseite und in der Anleitung angibt.

Bei den Lerntürmen in unserem Sortiment geben die Hersteller eine Belastbarkeit von 50 bis 90 Kilogramm an. Für den klappbaren Lernturm 2in1 von eliNeli nennt der Hersteller eine Prüfung durch den TÜV Rheinland, für den mitwachsenden Lernturm PRO 5in1 die Normen EN 71. Das sind Angaben der Hersteller, Sie finden sie auf der Seite jedes Produkts.

Aus der Faborino-Kollektion

Steppy vom deutschen Hersteller Sämann hat eine Plattform in drei Höhen, 28, 38 und 47 Zentimeter, und laut Hersteller Füße gegen das Kippen und hinten eine Stange, die das Kind im Turm hält. Den klappbaren Lernturm von eliNeli stellen Sie nach dem Kochen platzsparend an die Wand. Der Levíček von eliNeli lässt sich außerdem in ein Tischchen mit Stuhl verwandeln und hat eine Kreidetafel, er wird also auch gebraucht, wenn gerade nicht gekocht wird. Keiner ist in allem der beste. Die Wahl richtet sich nach der Küche und danach, wie viel Platz sie bietet. Alle Lerntürme und Pikler-Dreiecke finden Sie unter Lerntürme, Pikler & Klettern.

Ein Lernturm ist kein Klettergerüst

Für den Lernturm gibt es eine einfache Regel: Maßgeblich ist die Anleitung des Herstellers. Die Hersteller nennen darin ähnliche Punkte, und es lohnt sich, sie wörtlich zu nehmen: Im Turm steht immer nur ein Kind, der Turm steht auf festem, ebenem Boden, fern von Treppen, offenen Fenstern und heißen Flächen, aufgebaut und in der Höhe verstellt wird er von einem Erwachsenen, und das Kind ist darin nie unbeaufsichtigt.

Genauso wichtig ist es, dem Kind zu zeigen, wie es hinein- und wieder heraussteigt. Langsam, mehrmals hintereinander, mit dem Gesicht zum Turm. In den ersten Tagen begleiten Sie es dabei mit der Hand. Wenn es das allein kann, ist der Turm kein Abenteuer mehr, sondern ein Ort, an den man zum Arbeiten geht.

Der Drang zu klettern verschwindet dadurch nicht. Ein- und Zweijährige klettern auf alles, was sie finden, und wenn sie keinen Ort haben, an dem sie es dürfen, klettern sie auf den Turm, auf Stühle und auf uns. Das Pikler-Dreieck ist genau so ein Ort: eine Leiter, an der das Kind selbst entscheidet, wohin es die Hand setzt und wohin den Fuß, und wie es wieder herunterkommt.

Aus der Faborino-Kollektion

Was Kinder im Lernturm tun können

Die erste Aufgabe muss nicht groß sein. Das Kind wäscht einen Apfel unter fließendem Wasser, streicht Butter aufs Brot, rührt den Teig mit einem Kochlöffel in der Größe seiner Hand oder schüttet Mehl von einer Schüssel in die andere. Am besten funktionieren Tätigkeiten mit einem klaren Anfang und Ende, bei denen das Ergebnis sichtbar ist: Der Apfel ist sauber, das Brot bestrichen, der Teig verrührt.

Und im Advent die Weihnachtsbäckerei. Ausrollen ist für ein Zweijähriges eine Aufgabe für den ganzen Nachmittag: Das Nudelholz rutscht, der Teig klebt, das Mehl ist überall. Ausstechen ist noch besser, denn jedes Plätzchen ist ein fertiges Ergebnis. Das Werkzeug sollte echt sein, nur kleiner: ein Nudelholz, das die Hände umfassen können, ein Pinsel zum Bestreichen mit Ei und ein Teigschaber, mit dem es den Teig von der Platte löst.

Aus der Faborino-Kollektion

Kochlöffel, Schneebesen, Backpinsel und Teigschaber in Kindergröße gibt es zusammen im Set Essenszubereitung Starter. Bei jeder neuen Tätigkeit gilt dann dasselbe wie beim Knopf an der Jacke: Stellen Sie sich neben das Kind, nicht ihm gegenüber, machen Sie es langsam und sprechen Sie beim Zeigen nicht. Dann geben Sie ihm das Werkzeug und lassen es machen. Das Plätzchen wird schief. Aber es ist seins.

Nach ein paar Wochen fällt Ihnen etwas auf. Das Kind kommt in die Küche, während Sie noch die Schüsseln herausholen, steigt in den Turm und wartet. Nicht darauf, dass Sie ihm etwas reichen, sondern darauf, was jetzt gemacht wird. Das Plätzchen, das es dann aussticht, ist schief und auf einer Seite dicker. Es legt es Ihnen selbst aufs Blech. Für diesen Moment steht der Turm an der Arbeitsplatte.

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