Zum Inhalt springen
  • Montessori-konform
  • Versand ab 149 € kostenlos
  • 30-⁠Tage Rückgabe
  • Rechnung auch an Firmen
Zuhause einrichten

Pikler-Dreieck: so hoch, wie es selbst klettert

Ein einjähriges Kind klettert aufs Sofa, auf die Stühle und auf uns. Es will nicht ärgern, es braucht eine Höhe, auf die es darf. Ab wann ein Pikler-Dreieck passt, worauf Sie bei der Auswahl achten und warum Sie Ihr Kind nicht hinaufheben sollten.

Faborino Editorial20. Oktober 20267 Min. Lesezeit

Ein Novembernachmittag, um halb fünf ist es dunkel und der Spielplatz ist nass. Im Wohnzimmer sitzt ein siebzehn Monate altes Kind, das gerade die Rückenlehne des Sofas entdeckt hat. Es zieht sich hinauf, schwingt ein Bein über die Kante und schaut uns an. Wir heben es herunter, und eine Minute später ist es wieder oben. Danach sind der Esszimmerstuhl dran, der Spielzeugkorb und eine offene Schublade als Stufe.

Das Kind ist nicht unartig. Es tut, was in diesem Alter fast jedes Kind tut: Es klettert. Wenn es draußen keinen Platz dafür gibt, sucht es sich die Höhe zu Hause. Die Frage ist also nicht, wie man es vom Klettern abbringt, sondern wo es zu Hause klettern darf, ohne dass wir mit der Hand unter seinem Po danebenstehen. Im Artikel über den Lernturm haben wir geschrieben, dass ein Lernturm kein Klettergerüst ist. Das Pikler-Dreieck ist genau der Ort, an den das Klettern gehört.

Wer war Emmi Pikler

Emmi Pikler schloss ihr Medizinstudium in den 1920er Jahren in Wien ab und war ab 1932 Kinderärztin in Budapest. Den Eltern riet sie zu etwas, das der damals üblichen Praxis widersprach: das Baby nicht vom Rücken auf den Bauch zu drehen, bevor es sich selbst dreht, es nicht hinzusetzen, bevor es sich selbst aufsetzt, und es nicht an den Händen in den Stand zu halten, bevor es selbst aufsteht. Jeden Meilenstein der Bewegungsentwicklung sollte das Kind aus eigener Initiative und mit eigener Anstrengung erreichen. Hilfsmittel, in denen das Kind passiv bleibt, etwa Babysitze und Lauflernhilfen, ließ sie weg.

1946 gründete sie in Budapest in einem verlassenen Haus in der Lóczy-Lajos-Straße ein Säuglingsheim für Kinder, die nach dem Krieg ohne Eltern geblieben waren. Nach der Straße hieß das Haus Lóczy, seit 1986 trägt es den Namen Pikler-Institut. So beschreibt es Anna Tardos, ihre Tochter, die das Institut später leitete, in einem Text für die World Association for Infant Mental Health.

„Laßt mir Zeit.“
Emmi Pikler, Titel ihres Buches über die selbständige Bewegungsentwicklung des Kindes

Das Holzdreieck, das heute ihren Namen trägt, ist ein Spielgerät im Sinne dieses Ansatzes. Zwei Leitern, die wie ein Dach aneinanderlehnen, an denen das Kind so hoch klettert, wie es selbst kommt, und von denen es so heruntersteigt, wie es selbst herunterkommt. Nichts hebt es hoch, nichts hält es fest. Wohin es die Hand setzt und wohin den Fuß, entscheidet es selbst.

Ab wann: ab 12 Monaten, und erst wenn es sich selbst hochzieht

Die Hersteller der Dreiecke in unserem Sortiment geben ein Alter ab 12 Monaten an, immer unter Aufsicht eines Erwachsenen. Das ist die Untergrenze, darunter nicht. Der erste Geburtstag allein heißt aber noch nicht, dass das Kind so weit ist. Wenn es jede Bewegung selbst finden soll, ist die zweite Bedingung das, was es schon tut: Es zieht sich am Sofa allein in den Stand, versucht eine Stufe oder einen niedrigen Hocker zu erklimmen und wieder herunterzukommen. Wenn es das tut, gibt ihm das Dreieck einen Ort, an dem es darf. Wenn noch nicht, wartet das Dreieck.

Aus der Faborino-Kollektion

Dieses Kletterdreieck des deutschen Herstellers Sämann misst aufgeklappt 73 × 93 × 74 Zentimeter, dazu gehört ein 110 Zentimeter langes Brett. Das Brett hängen Sie an eine beliebige Sprosse: tief als flache Rutsche, höher als steilere Kletterwand. Nach dem Spielen wird das Dreieck zusammengeklappt, was in einer Wohnung ohne Kinderzimmer oft darüber entscheidet, ob es überhaupt Platz findet.

Die schwerste Regel: nicht hinaufheben

Die größte Versuchung beim Dreieck hat nichts mit Sicherheit zu tun, sondern mit Erziehung. Das Kind steht davor, streckt die Arme aus, und wir setzen es auf die zweite Sprosse, damit es sieht, wie es oben ist. Nur kommt es aus einer Höhe, in die jemand anderes es gesetzt hat, oft nicht mehr herunter. Es weiß nicht, wohin mit dem Fuß, weil es ihn nicht selbst dorthin gesetzt hat. Emmi Piklers Rat zum Sitzen und Stehen gilt auch hier: Das Kind ist dort, wohin es aus eigener Kraft gekommen ist.

Die Rolle des Erwachsenen ist weniger sichtbar, als man denkt. In der Nähe sitzen, zuschauen, nicht jeden Schritt kommentieren und nicht an jeder Sprosse „Vorsicht“ sagen. Wenn das Kind zögert, genügt es meistens zu warten. Es findet seinen Weg selbst oder steigt eine Sprosse tiefer und versucht es anders. Hilfe kommt zuletzt, nicht zuerst.

Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten

Auf Fotos sehen die meisten Dreiecke ähnlich aus. Die Unterschiede zeigen sich zu Hause: wenn es vor jedem Spielen aufgeklappt werden muss, wenn das Kind auf der höchsten Sprosse steht, die es schafft, und wenn es abends irgendwo verstaut werden soll. Bei der Auswahl hilft ein Blick auf fünf Punkte, und bei jedem lohnt es sich nachzulesen, was der Hersteller auf der Produktseite und in der Anleitung angibt.

Für das VARIO-System in unserem Sortiment gibt der Hersteller beim großen Dreieck (Teil A) eine Belastbarkeit von 100 Kilogramm an und bei jedem Teil die Normen CE und EN 71-⁠1, 2, 3. Das sind Herstellerangaben, Sie finden sie auf der Produktseite.

Aus der Faborino-Kollektion

Das VARIO-System besteht aus einzelnen Teilen. Das große Dreieck mit Wendebrett steht für sich, seine Form lässt sich mit Schrauben verändern. Das kleine Dreieck ist laut Hersteller für Kinder gedacht, die das Klettern gerade entdecken. Mit der Hängeleiter mit Reckstange lassen sich beide an der Wand befestigen, ohne sie nicht. Dübel und Befestigungsmaterial sind nicht dabei, weil sie vom Mauerwerk abhängen, und der Hersteller empfiehlt, sich dazu fachlich beraten zu lassen. Alle Dreiecke, Lerntürme und Kletterbretter finden Sie in der Kategorie Lerntürme, Pikler & Klettern.

Sicherheit: Es gilt die Anleitung des Herstellers

Beim Dreieck gilt dasselbe wie beim Lernturm: Maßgeblich ist die Anleitung des Herstellers. Sämann nennt darin diese Punkte, und es lohnt sich, sie wörtlich zu nehmen: Den Aufbau übernimmt ein Erwachsener, vor der Benutzung prüfen Sie, ob das Dreieck vollständig aufgeklappt und gesichert ist, es spielt immer nur ein Kind darauf, und das Dreieck steht drinnen auf festem Boden, fern von Treppen und Fenstern. Für das VARIO-System gibt der Hersteller an, dass es nur für den Innenbereich bestimmt ist und immer unter Aufsicht eines Erwachsenen benutzt wird.

Die Aufsicht eines Erwachsenen, die die Hersteller verlangen, gilt immer. Im Sinne Emmi Piklers heißt sie aber nicht, die Hand unter dem Kind zu haben: Der Erwachsene ist dabei, sieht es und lässt es klettern.

Wenn es um fünf dunkel ist

Im Winter zieht die Bewegung nach drinnen, und das Dreieck wird zu ihrer Mitte. Mit dem Brett wird es zur Rutsche, auf der das Kind zuerst vorsichtig hinunterrutscht und ein paar Wochen später immer wieder. Unter dem Dreieck entsteht eine Höhle, in die man hinein und wieder hinaus krabbelt. Und manchmal sitzt das Kind nur auf der zweiten Sprosse und schaut sich das Zimmer aus der Höhe an, in die es selbst geklettert ist. Nichts davon muss man vormachen. Die Spiele findet es selbst, wenn wir ihm Zeit dafür lassen.

Wenn in der Wohnung noch Platz für ein weiteres Stück ist, bietet eine Wippe eine andere Bewegung. Das Kind schaukelt darauf, klettert hinüber, versteckt sich darin oder baut eine Brücke daraus. Für diese Wippe gibt der Hersteller eine Belastbarkeit von 110 Kilogramm an, im Set sind ein Wendebrett und ein Kinderstuhl dabei. Der Hersteller gibt sie ab 1 Jahr an, nur unter Aufsicht eines Erwachsenen.

Aus der Faborino-Kollektion

Nach ein paar Wochen fällt Ihnen etwas auf. Die Sofalehne ist nicht mehr interessant. Das Kind klettert auf die Spitze des Dreiecks, sitzt eine Weile oben und schaut uns an. Es wartet nicht darauf, dass wir es herunterheben. Es wartet darauf, ob wir gesehen haben, wie weit es gekommen ist. Dann steigt es selbst herunter, Sprosse für Sprosse, so wie es hinaufgekommen ist. Für diesen Moment steht das Dreieck im Wohnzimmer.

Faborino Journal

Den nächsten Artikel schicken wir Ihnen per E-⁠Mail

Zuerst vier kurze Briefe nach dem Alter Ihres Kindes, danach einmal im Monat neue Artikel aus dem Journal.

Wir senden Ihnen das Faborino Journal der STENVARD s. r. o.: nach der Bestätigung vier kurze Briefe mit Tipps zum Alter Ihres Kindes, danach einmal im Monat neue Artikel und eine Auswahl an Materialien. Abmelden können Sie sich jederzeit mit einem Klick in jeder E-⁠Mail. Mehr in der Datenschutzerklärung.

Was die vier Briefe bringen

Teilen

Geschrieben von

Faborino Editorial

Weitere Artikel von Faborino